Evim, Kinder- und JugenhilfeeinrichtungEvim, Kinder- und Jugenhilfeeinrichtung

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14.04.2015

Gut besuchter Fachtag im EVIM

Anlässlich seines einjährigen Bestehens lud die Wohngruppe EVIM Jugendämter, Kooperationspartner und Mitarbeiter umliegender sozialer Einrichtungen zu einem Fachtag ein.

Unter dem Titel „Folgen von Flucht und Migration für die Sozialisation Jugendlicher“ referierten Dr. Dirk Baier, stellvertretender Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen in Hannover sowie Klaus Närdemann, Leiter einer Clearingstelle für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Bielefeld-Bethel.

 

Baier legte in seinem Vortrag einen Schwerpunkt auf das Auftreten von Problemverhaltensweisen bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Durch die wissenschaftlichen Forschungen des niedersächsischen Instituts wird deutlich, dass die Integration von Migrantenjugendlichen in der Bundesrepublik nicht hinreichend gelingt.

Dem anwesenden Fachpublikum wurde verdeutlicht, dass trotz steigender Zahl von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Deutschland, bei deutschen Jugendlichen noch erhebliche Vorbehalte gegen Freundschaften mit Migrantenjugendlichen bestehen. Überraschend ist, dass der Wunsch von Migrantenjugendlichen nach Freundschaften mit deutschen Jugendlichen wesentlich stärker ist als umgekehrt. Eine der Forderungen des Kriminologischen Forschungsinstituts ist demnach eine frühe soziale Vernetzung zwischen Deutschen und Migranten.

Närdemann berichtete in seinem Fachvortrag über seine langjährigen Erfahrungen im Umgang mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen. Er wies auf den hohen Jungenanteil bei den Flüchtlingen hin, was vor allem daran liege, dass sich Mädchen auf den Fluchtwegen in sichere Staaten außerordentlichen Gefahren aussetzen müssten. In Deutschland angekommen, seien die jungen Flüchtlinge oftmals durch die Kriegsereignisse sowie die Fluchtfolgen traumatisiert, weswegen entsprechende therapeutische Angebote vorgehalten werden müssen.

Verbreitet ist bei allen Jugendlichen der Wissensdurst nach dem Erlernen der deutschen Sprache. So kann der gesamte Bedarf nach schulischer Förderung noch nicht gedeckt werden, da es noch zu wenige Integrationsklassen gebe. Um allen ankommenden jungen Flüchtlingen in deren Lernbedarf entgegen zu kommen, werde in einigen Bundesländern bereits über die Anhebung der Altersgrenze für die Beschulung von 16 Jahren auf 18 Jahren nachgedacht.

Die so entfachte rege Diskussion im Anschluss an die beiden Vorträge zeigte die große Empathie der Besucherinnen und Besucher für das Thema „Flucht und Migration“.

Die angenehme und intensive Arbeitsatmosphäre wurde am Ende des Fachtags durch ein wunderbares Buffet mit türkisch-arabischem finger-food, zubereitet durch die Köchin der Wohngruppe, abgerundet.

[Translate to Türkisch:] Dr. Turan begrüßt die Teilnehmer und eröffnet die Tagung

Dr. Dirk Baier, stellvertretender Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen in Hannover

Klaus Närdemann, Leiter einer Clearingstelle für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Bielefeld-Bethel